

Den Weihnachtsbesuch bei meiner Familie habe ich genutzt, um wieder "Wurzelsaft zu tanken".
Meine Geburtsstadt Calw
"Wurzelsaft tanken" bedeutet, mich mit alten Freunden zu treffen, in Calw zu bummeln, in Erinnerungen zu schwelgen und Neuigkeiten auszutauschen .
Dieses Mal trafen wir uns im neuen Kaffeehaus Montagnola am Calwer Marktplatz , direkt neben dem
Hermann Hesse Museum.
Hermann Hesse, der Literaturnobelpreisträger ist ein berühmter Sohn der Stadt Calw. Seine Kinder u. Jugendzeit verbrachte er hier. Viele gesammelte Eindrücke aus dieser Zeit verarbeitete er später in seinen Werken.
aus Hermann Hesses Calwer Zeit :
Zwischen Bremen und Neapel, zwischen Wien und Signapur habe ich manche hübsche Stadt gesehen, Städte am Meer und Städte hoch auf den Bergen, und aus manchem Brunnen habe ich als Pilger einen Trunk getan, aus dem mir später das süße Gift des Heimwehs wurde.
Die schönste Stadt von allen aber, die ich kenne, ist Calw an der Nagold, ein kleines, altes, schwäbisches Schwarzwaldstädtchen.....


"Klein Hermann" mit Botanisiertrommel, einer Blechbüchse zum Umhängen die dem geschützten Transport unterwegs gesammelter Samen und Pflanzen dient.

Hesse war ein leidenschaftlicher Gärtner. Die Stunden im Garten und die Beschäftigung mit der Erde verglich er mit Meditation, einer Beschäftigung die der Seele eine ähnliche Entlastung geben kann.

Im Garten
Und wenn auch heute der Garten noch öde liegt, so ist für den der darin arbeitet, doch alles im Keim und in der Vorstellung schon da. Die Beete haben Leben, hier wird lichtgrüner Lattich stehen, da die lustigen Erbsen, dort die Erdbeeren........und in den Blumenrabatten verteilen wir vorraussehend die Farben und Formen, häufeln Blau und Weiß, schmettern ein lachend Rot dazwischen säumen die Pracht hier mit Vergissmeinnicht und dort mit Reseden ein, sparen nicht mit dem leuchtenden Kapuziner und lassen auch, an einen sommerlichen Imbiss und Weintrunk denkend, hier und dort Platzt für ein Büschel Radieschen...
aus "Im Garten" 1908
Der Gärtner träumt:
Was hat die Traumfee in der Wunderbüchse ?
Vor allem ein Gebirg von bestem Mist !
Dann einen Weg, auf dem kein Unkraut wüchse,
Ein Katzenpaar das keinen Vogel frisst.
Ein Pulver auch, mit dem bestreut alsbald
Blattläuse sich in Rosenflor verwandeln,
Robinien jedoch zum Palmenwald,
Mit dessen Erde wir gewinnreich handen.
O Fee, und mache das uns Wasser flösse
An jedem Ort, den wir bepflanzt, besät;
Gib uns Spinat, der nie in Blüten schösse
Und einen Schubkarren der von selber geht!
Und eines noch: ein sichres Mäusegift,
Den Wetterzauber gegen Hageltücken,
Vom Stall zum Haus einen kleinen Lift
Und jeden Abend einen neuen Rücken.
Hermann Hesse
Hesse schrieb dieses Gedicht für seine Frau Ninon


Beim Blumengießen
Noch einmal, ehe der Sommer verblüht,
wollen wir für den Garten sorgen.
Die Blumen gießen, sie sind schon müd,
Bald welken sie weg, vielleicht schon morgen.
Noch einmal, ehe aufs neue die Welt
Irrsinnig wird und Kanonen gellt,
Wollen wir an den paar schönen Dingen
uns freuen und Lieder singen.
( Spätsommer 1932)
H. Hesse
